Sonntag, 26. September 10 um 21:31 Alter: 7 Jahr(e)

Würzburg: Theater befasste sich mit Euthanasiemorden in Unterfranken


Nur vier Tage brauchten die grauen Busse der „gemeinnützigen Krankentransport GmbH“, als sie am 3. Oktober 1940 begannen, die Pflege- und Heilanstalt Werneck (Lkr. Schweinfurt) zu räumen. Offiziell dienten sie dazu, die behinderten Insassen in die Lohrer Klinik zu verlegen. In Wahrheit gehörten sie der SS und befanden sich im Einsatz für die im Januar 1940 angelaufene, beschönigend als „Aktion Gnadentod“ oder „Aktion T 4“ getarnte Ermordung von insgesamt 70 000 Behinderten. Nach Protesten der Kirchen und der Bevölkerung endete sie offiziell im August 1941.

Für 381 der insgesamt 760 Patienten führte die Fahrt in den Tod. Die meisten starben in der nur notdürftig als Duschanlage kaschierten Gaskammer der Pirnaer Heilanstalt Sonnenstein. Die Angehörigen erhielten lediglich von einem Sonderstandesamt fingierte Todesbescheinigungen und die Urnen mit ihrer Asche.

Namen der Toten verlesen

Genau vor 70 Jahren, am 23. September 1940, hatte Gauleiter Otto Hellmuth angeordnet, das Krankenhaus zu räumen, um Platz für deutsche Übersiedler aus dem Osten zu schaffen. Aus diesem Anlass widmete sich die erste Veranstaltung der Vortragsreihe „Wegmarken“ in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters in Würzburg diesem dunklen Kapitel unterfränkischer Heimatgeschichte. Beklemmend war die Stimmung unter den rund 30 Besuchern, als stellvertretender Intendant Alexander Jansen und die Schauspielerin Maria Brendel abschließend zum Gedenken an die Toten Minuten lang die Namen der rund 50 Würzburger Opfer verlasen. „Die Tötung der behinderten Menschen war die Generalprobe für die fabrikmäßige Ermordung in Auschwitz“, mahnte Jansen.


 
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